Kommunikativ-pragmatische Störungen

Kommunikativ-pragmatische Störungen können sich auf vielfältige Weise äußern. Mögliche Symptome sind beispielsweise eingeschränkte dialogische Fähigkeiten (Sprecher*innenwechsel, Initiierung, Aufrechterhaltung, inhaltliche Kohärenz, Einschätzung des Vorwissens), eingeschränkte kommunikative Funktionen und Formen (z. B. Gesprächsarten), eingeschränkte Verwendung der Mittel zur Kommunikation (verbal, nonverbal, paraverbal) oder eingeschränkte Fähigkeiten in der Verwendung von Gesprächsregeln (Kannengieser, 2012, S. 274).

Störungen auf der Ebene der Kommunikation und Pragmatik können im Zusammenhang mit verschiedenen Störungen bzw. Erkrankungen auftreten. Möglich ist das Auftreten nach einem Schädel-Hirn-Trauma, bei Intelligenzminderung, im Zusammenhang mit Autismus-Spektrum-Störungen oder ADHS, bei Spracherwerbsstörungen und bei Entwicklungsstörungen auf der sozial-emotionalen Ebene (Kannengieser, 2012, S. 275). Bisher ist nicht eindeutig geklärt, ob Störungen der Kommunikation und Pragmatik auch isoliert oder nur im Zusammenhang mit psychisch-emotionalen  Störungen auftreten können (Kannengieser, 2012, S. 274).

Wie oben beschrieben, treten kommunikativ-pragmatische Störungen im Zusammenhang mit verschiedenen Erkrankungen oder psychisch-emotionalen Störungen auf (Kannengieser, 2012, S. 274f.).  Kinder, die von einer Spracherwerbsstörung betroffen sind, zeigen häufig auch Folgestörungen im sozial-emotionalen Bereich. Dieser Umstand führt zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für das zusätzliche Auftreten einer kommunikativ-pragmatischen Störung (z. B. Kontaktschwierigkeiten, Vermeiden des Blickkontaktes). Auch die Redeflussstörungen Stottern und Poltern können als Störungen der Kommunikation bezeichnet werden (Kannengieser, 2012, S. 274; Wendlandt, 2009, S. 3). Die Störung Mutismus äußert sich vorrangig auf kommunikativ-pragmatischer Ebene (Kannengieser, 2012, S. 274).

Die Behandlung von kommunikativ-pragmatischen Störungen kann kaum ohne Einbezug anderer sprachlicher Ebenen stattfinden. Andersherum sollte die Verbesserung der kommunikativen Fähigkeiten immer im Vordergrund einer Intervention bei Sprachstörungen stehen, unabhängig davon, welche sprachliche Ebene betroffen ist bzw. behandelt wird (Kannengieser, 2012, S. 282).

Je nach Ausmaß und Art der Störung, kann eine Behandlung bzw. Unterstützung sehr unterschiedlich sein und von der Kommunikationsanbahnung bis hin zu gezielten Übungen zur Verbesserung spezifischer Kompetenzen reichen (z. B. Textkompetenz, Gesprächskompetenzen, Verständnissicherung) (Kannengieser, 2012, S. 282ff.).