Phonologische Störungen

Bei einer phonologischen Störung entstehen Fehler in der Lautverwendung. Die Lauterzeugung bzw. die isolierte Lautbildung ist nicht betroffen (Kannengieser, 2012, S. 64). Phonologische Störungen zeigen sich durch Substitutionsprozesse (z. B. Vorverlagerung, Rückverlagerung, Plosivierung), Strukturprozesse (z. B. Tilgung von Konsonanten oder Silben, Reduktion von Konsonantenverbindungen) und/oder Assimilationsprozesse (z. B. Kontaktassimilation, regressive Assimilation) (Weinrich & Zehner, 2017, S. 41; Kannengieser, 2012, S. 67f). Es können drei Untergruppen der phonologischen Störung unterschieden werden: die phonologische Verzögerung, die konsequent phonologische Störung und die inkonsequent phonologische Störung (Weinrich & Zehner, 2017, S. 42).

Neben lautsprachlichen Auffälligkeiten können Defizite in der phonologischen Informationsverarbeitung die Entstehung von Lese-Rechtschreibstörungen begünstigen (Ptok et al., 2007, S. 738).

Phonologische Störungen entstehen durch Schwierigkeiten beim Erwerb des phonologischen Regelsystems (Weinrich & Zehner, 2017, S. 41). Es wird angenommen, dass ein spezifisches Erwerbsdefizit die Ableitung für das Regelsystem der Muttersprache erschwert. Es ist ebenso denkbar, dass einer phonologischen Störung zentrale Verarbeitungsstörungen (z. B. eingeschränkte phonologische Verarbeitungskapazität) zugrunde liegen. Inkonsequente phonologische Störungen können ihre Ursache in Störungen des phonologischen Gedächtnisses haben. Zudem kommen auch Wortschatzdefizite als Ursache infrage (Kannengieser, 2012, S. 64f).

Verzögerte phonologische Prozesse sind die häufigste Form der Aussprachestörungen (zit. n. Weinrich & Zehner, 2017, S. 42). Pathologische phonologische Prozesse sind vermehrt bei jüngeren Kindern zu beobachten. Eine scheinbar überwundene phonologische Störung kann sich im Schul- und Erwachsenenalter in Schwierigkeiten beim Schriftspracherwerb bzw. -kompetenz äußern (Ptok et al., 2007, S. 738).

In der Therapie phonologischer Störungen ist das Ziel die korrekte Verwendung der Sprachlaute in den Lexemen der Sprache. Für die Behandlung gibt es zwei mögliche Ansatzpunkte. Zum einen existieren Therapiekonzepte, in denen das explizite Wissen über die Lautverwendung gefördert wird, indem das Kind sich bewusst mit den phonologischen Einheiten beschäftigt (z. B. psycholinguistisch orientierte Phonologietherapie (P.O.P.T.), Metaphon). Zum anderen gibt es Therapiekonzepte, in denen das implizite Wissen gefördert wird, indem sich das Kind mit Wörtern auseinandersetzen soll, in denen die phonologischen Elemente enthalten sind (z. B. Minimalpaartherapie, indirekte phonologische Therapie) (Kannengieser, 2012, S. 95f).