Schluckstörungen (Dysphagien)

Während des Schluckvorgangs können verschiedene pathologische Symptome auftreten. Beim Leaking kommt es zum unkontrollierten Entgleiten des Bolus nach vorne aus dem Mundraum (anteriores Leaking) oder nach hinten in den Rachenraum (posteriores Leaking/ Pooling) (Prosiegel & Weber, 2013, S. 56). Ein weiteres Symptom kann das Verbleiben von Bolusresten (Residuen) nach der Schluckreflexauslösung im Rachen, Kehlkopf oder Mundraum sein. Bei einer Penetration kommt es während oder nach der Schluckreflexauslösung zum Eintritt von Substanzen in den Kehlkopfeingang oberhalb der Stimmlippen (laryngeale Penetration) oder in die Nase (nasale Penetration) (Bartolome & Neumann, 2014, S. 42). Die Aspiration ist das gefährlichste Symptom einer Schluckstörung und bezeichnet das Eindringen von Fremdsubstanzen in die Luftwege unterhalb der Stimmlippen (Prosiegel & Weber, 2013, S. 62).

Für eine Schluckstörungen gibt es zahlreiche mögliche Ursachen. Zum einen kommen neurogene Ursachen infrage. Hier ist die häufigste Ursache der Schlaganfall. Weitere neurogene Ursachen können beispielsweise das Parkinson-Syndrom, Multiple Sklerose, Schädel-Hirn-Traumata, Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), Infektionskrankheiten des zentralen Nervensystems (z. B. Meningitis, HIV-Infektionen) oder Demenzen sein (Prosiegel & Buchholz, 2014, S. 64-73). Zum anderen können Erkrankungen der oropharyngealen und laryngealen Strukturen ursächlich für Schluckstörungen sein (z. B. angeborene Fehlbildungen, Systemerkrankungen, Traumata (z. B. durch Gewalteinwirkungen, Verletzungen, Verbrennungen, Verätzungen), Fremdkörper, Erkrankungen der Halswirbelsäule, altersbedingte Schluckstörungen (Presbyphagien), Tumoren in Hals- oder Kopfbereich) (Schröter-Morasch, 2014, S. 89-98).

Es können Menschen aller Altersklassen von einer Schluckstörung betroffen sein. Bereits bei Säuglingen kann sie auftreten (Schröter-Morasch, 2014, S. 89). Das Auftreten vieler neurologischer Erkrankungen, die ursächlich für eine Dysphagie sein können, wird mit zunehmendem Lebensalter wahrscheinlicher. Altersbedingte Veränderungen wie beispielsweise die Abnahme von Muskelmasse und -kraft begünstigen die Entwicklung einer Schluckstörung (Prosiegel & Weber, 2013, S. 43).

 

In der Behandlung von Schluckstörungen werden drei Richtungen unterschieden. Zum einen kommen restituierende Therapieverfahren zum Einsatz. Hierbei werden aktiv Bewegungsabläufe trainiert, die am Schluckvorgang beteiligt sind (Bartolome, 2014, S. 257). Des Weiteren können kompensatorische Therapieverfahren angewendet werden, die eine Änderung des Schluckverhaltens (z. B. Erlernen von Schlucktechniken, Haltungsänderungen, Kopfneigung, -drehung und -hebung) verfolgen (Bartolome, 2014, 342-351). Die dritte Möglichkeit der Behandlung sind die adaptiven Therapieverfahren. Dabei wird durch die Anpassung der Umwelt und externe Hilfen der Schluckvorgang möglichst verbessert (z. B. diätische Maßnahmen, Nahrungsplatzierung, Essensbegleitung, Trink- und Esshilfen) (Bartolome, 2014, S. 353).