Sprachverständnisstörungen

Eine Sprachverständnisstörung bezeichnet das nicht altersgerechte Verstehen von sprachlichen Äußerungen. Eine rezeptive Sprachstörung tritt nicht isoliert auf, sondern geht mit einer Störung in der Sprachproduktion einher (Kannengieser, 2012, S. 302). Das Sprachverständnis kann nur durch Verhaltensbeobachtungen überprüft werden (Schrey-Dern, 2006, S. 16). Folgende Symptome können bei einer Sprachverständnisstörung beispielsweise auftreten: ausbleibendes verbales Oppositionsverhalten (Nein-Sagen), echoartige Äußerungen, fehlende Handlungen, starre expressive Äußerungen, es werden wenige Fragen gestellt, das Zuhören fällt schwer, intensive Orientierung über visuelle Informationen, Schlüsselwortstrategien, nicht-Erkennen von sinnwidrigen Äußerungen (Kannengieser, 2012, S. 303-306; Schrey-Dern, 2006, S. 17).

Mögliche Ursachen für eine Sprachverständnisstörung sind auditive Wahrnehmungsstörungen, ein beeinträchtigtes Vorstellungsvermögen, eine genetische Disposition oder Hirnschädigungen vor, während oder nach der Geburt (Kannengieser, 2012, S. 302-303). Insgesamt ist eine Sprachverständnisstörung eine komplexe Sprachstörung, an der viele Prozesse beteiligt sind (Kannengieser, 2012, S. 302).

Es ist davon auszugehen, dass Sprachentwicklungsstörungen auf phonetisch-phonologischer, syntaktisch-morphologischer und lexikalisch-semantischer Ebene oft rezeptive Anteile haben. Und umgekehrt beeinträchtigt eine Störung des Sprachverständnisses die Entwicklung aller anderen sprachlichen Ebenen (Kannengieser, 2012, S. 302). Sprachverständnisstörungen können sich schon in einem frühen Alter durch verzögertes Spielverhalten äußern (Kannengieser, 2012, S. 303). Im Schulaltern können sich Sprachverständnisstörungen negativ auf das Leseverständnis auswirken (Kannengieser, 2012, S. 305).

Im Umgang mit Kindern, die eine Sprachverständnisstörung aufweisen, sollten allgemein drei Aspekte berücksichtigt werden. Zum einen sollte dafür gesorgt werden, dass das betroffene Kind die Aufmerksamkeit allein auf die sprechende Person richtet (andere Handlungen unterbrechen, Blickkontakt herstellen, kurze Distanz zwischen sprechender Person und Kind). Zum anderen sollte die sprechende Person auf das Modellieren der eigenen Sprache zurückgreifen (einfache kurze Sätze, Auswahl des Wortschatzes und Satzstrukturen, Sprechtempo, deutliche Artikulation, Pausensetzung, Betonungen, Einsatz von Mimik und Gestik). Des Weiteren sollte überprüftwerden, ob das Kind die Äußerungen verstanden hat (gezielte Fragen stellen, Inhalte bei nicht-Verstehen vereinfacht wiederholen) (Baur & Endres, 1999, 322ff.).