Syntaktisch-morphologische Störungen

Kinder mit syntaktisch-morphologischen Störungen zeigen entweder eine zeitliche Abweichung vom physiologischen Erwerb (z.B. verlangsamter Erwerb, verspäteter Beginn) oder zeigen Schwierigkeiten, sich das grammatische System anzueignen. Syntaktisch-morphologische Störungen können isoliert, als Hauptsymptom einer Sprachentwicklungsstörung oder auch gleichrangig neben Störungen anderer sprachlichen Ebenen auftreten (Kannengieser, 2012, S. 156). Die Symptome einer syntaktisch-morphologischen Störung können sich beispielsweise durch folgende Auffälligkeiten zeigen: fehlende Syntagmen (Aneinanderreihung von Wörtern nur aufgrund des Bedeutungszusammenhanges), starre Satzmuster (z.B. fehlende Topikalisierungen), fehlende Satzarten (z.B. wenige Nebensätze), Verb- und andere Stellungsfehler (z.B. Finalstellung des Verbs, Finalstellung des Subjekts), fehlende Satzglieder (z.B. häufige elliptische Phrasen, pronominaler Stil), fehlende Kongruenz (z.B. Subjekt-Verb-Kongruenz), fehlende oder falsche Flexionen (z.B. Weglassen von Artikeln, Übergeneralisierung von Akkusativmarkierungen, inkorrekte Pluralendungen) und fehlende Funktionswörter (z.B. fehlende Artikel, Präpositionen, Fragewörter) (Kannengieser, 2012, S. 157ff).

Wie auch andere Störungen der Sprachentwicklung können die Ursachen für eine syntaktisch-morphologische Störung primär oder sekundär (z.B. in Zusammenhang mit Hörschädigungen, neurologischen Erkrankungen, geistiger Behinderung) sein.

Bei primären Störungen wird vermutet, dass die Ursachen in Einschränkungen des auditiven Arbeitsgedächtnisses, der auditiven Wahrnehmung, speziellen linguistischen Defiziten, Störungen der Zeitverarbeitung oder Störungen der Informationsverarbeitung liegen können (Kannengieser, 2012, S. 156).

Kinder, die von einer Sprachentwicklungsstörung betroffen sind, können Störungen im syntaktisch-morphologischen Bereich aufweisen. Auffälligkeiten im Bereich der Syntax und/oder Morphologie müssen stets in Bezug zum Alter des Kindes gesehen werden, da je nach Alter bestimmte Fehler in der Grammatik auch während des physiologischen Spracherwerbs zu beobachten sind (Kannengieser, 2012, S. 155). Störungen im syntaktisch-morphologischen Bereich können sich bereits ab einem Alter von 24 Monaten zeigen, wenn die Kinder nicht beginnen, Zweiwort-Äußerungen zu produzieren (Schröders, Riederer, Schwytay, 2012, S. 1). Auffälligkeiten im syntaktisch-morphologischen Bereich können beispielsweise auch aufgrund neurologischer Erkrankungen oder geistiger Behinderungen auftreten (Kannengieser, 2012, S. 156).

Für die Behandlung syntaktisch-morphologischer Störungen spielt der sprachliche Input eine entscheidende Rolle. Die sprachliche Struktur muss gezielt und hochfrequent eingesetzt werden, um den Transfer in die Spontansprache anzuregen (z.B. durch Häufung, Redundanz, Hervorhebung, Kontrastieren). Darüber hinaus sollte die Zielstruktur evoziert (z.B. durch Alternativfragen, offene Fragen, Dialoglenkung), modelliert bzw. korrigiert (z.B. korrektives Feedback) werden (Kannengieser, 2012, S. 168). Auch Symptome, die eine verursachende oder aufrechterhaltende Wirkung haben, sollten in die Behandlung von syntaktisch-morphologischen Störungen mit einbezogen werden (z.B. reduzierte auditive Merkspanne) (Kannengieser, 2012, S. 167).